Int. Deutsche Supermoto Meisterschaft in Lüneburg mit dem rastenschleifer team
Sieger im 2. Lauf zum ADAC Aprilia Cup: Tommy Brandt

Rennbericht von Tommy Brandt:

Hi, mit gemischten Gefühlen ging es für mich zum 3. Lauf zur Aprilia Challenge in Lüneburg. Motiviert hat mich nach einem schweren Sturz während der Supermoto-Sachsenmeisterschaft die Anwesenheit von Steve Jenkner und das neue Aprilia-Challenge-Dekor von race-styles, dass meine Maschine aus dem Fahrerfeld hervorstechen ließ. Lüneburg im hohen Norden war für mich absolutes Neuland, v. a. die Akribie der Funktionäre (oder die, die sich dafür hielten) haben mich zunächst schwer beeindruckt. Die Art der Streckenführung sucht bisher seines gleichen in Deutschland: Sehr schneller und doch winkliger Onroad in Kombination mit einem Berg und Tal Offroad, der sich als regenfest erweisen sollte - "Einfach spektakulär und richtungsweisend!" Am Sonnabend hatte teilweise ich starke Probleme in Fahrt zu kommen - zu groß waren die Eindrücke aus Hagenwerder, als ich die Aprilia im Zeittraining an ihrer Grenze brachte und mich mit einem mortzmäßigen Highsider verabschiedete. In Lüneburg wollte ich zunächst wieder Vertrauen in das Bike gewinnen und mich langsam an die neue Strecke heranarbeiten. Ohne Experimente hangelte ich mich zum Zeittraining und konnte meine Rundenzeiten kontinuierlich verbessern. Im Zeittraining hatte ich mir dann eine neue Taktik zurecht gelegt. Ich wollte in jedem Falle das Desaster aus letzteren Qualifikationen nicht wiederholen und mir eine gute Ausgangsposition fürs Rennen verschaffen. Geschockt von Jenkners phänomenaler Rundenzeit behielt ich die Nerven und konnte mich am Ende auf den hervorragenden 3. Platzen schieben. Am Rennsonntag schüttete es dann aus Eimern. Das war sehr gut, da ich mich nun nicht mehr zwischen Regenreifen und Slicks entscheiden musste. Im Vorstart zum 1. Rennen kam es zum Eklat, da mehr als zweidrittel die Vorstartschließung verpasst hatten und die Rennleitung mit dieser Situation völlig überfordert war. Dank unserer DMSB/ADAC Bürokraten fand man nach etwa 15 Minuten eine Entscheidung, die mich in die vorletzte Startreihe katapultierte und einen Podestplatz in weite Ferne rücken ließen. Vom Start weg konnte ich im 1. Rennen gleich viele Positionen gut machen und mich an Kredel's Fersen heften. In der Hälfte liefen wir bereits auf erste überrundete Fahrer auf. Beim Überrunden unterliefen mir erneut entscheidende Fehler. Konnte Kredel aufgrund seiner lauten Akrapovic-Auspuffanlage wieder durchschlüpfen, wurde mir meine 92db-Original-Auspuffanlage zum Verhängnis, da der überrundete Fahrer die Tür gleich wieder zu machte. Ich musste um Kredel zu folgen die äußere Line wählen und rutschte weg . in Profimanier hielt ich die Aprilia fest an mir und konnte sofort weiterfahren. Jetzt wollte ich nur noch Platz 3 sichern und sah in der letzten Runde plötzlich, dass auch Jenkner zu Boden ging. In seinem Heck hängend, visierte ich den Offroad an. Ich wusste, dass Steve dort noch Defizite hat und wollte am Table attackieren. Steve jedoch nahm alles zusammen und setzte einen Sprung, der mindestens 2 Meter über die Landezone des Tables hinaus reichte. Damit war das Rennen gelaufen - Platz 3 hinter Jenkner und Kredel war für mich sehr zufrieden stellend. Im 2. Lauf hat sich die Vorstartproblematik - Gott sei Dank - nicht wiederholt. Damit konnte ich das Rennen von Platz 3 aus in Angriff nehmen. Am Start war ich (wie bereits in St. Wendel) voll konzentriert und konnte diesen für mich entscheiden. Ins Rennen fand ich als Leader nur schwer, v. a. im Offroad hatte ich starke Problem die Aprilia auf Kurs zu halten. Zu Begin des letzten Renndrittels lief ich im Offroad auf einen zu überrundenden Fahrer auf. Da Kredel mir immer weiter auf den Pelz rückte, wollte ich kein Risiko eingehen und entschied mich für die innere Spur in der Bergaufpassage. Mich wunderte sofort, dass keine blauen Fahnen geschwungen wurden, um den Fahrer auf die drohende Überrundung hinzuweisen. An dieser Stelle muss ich ein großes Lob an DMSB/ADAC loswerden. Vielleicht hätten die unzähligen Funktionäre nicht nur auf Hundeverbote, Pocketbikes, Brainstorming und andere Unwichtigkeiten achten sollen, sondern sich auf Streckensicherheit und eine ordnungsgemäße technische Abnahmen besinnen sollen!!! So kam es wie es kommen musste: Der Fahrer nahm mich mit nicht wahr und zog ebenfalls in die innere Spur. Aufgrund meiner hohen Geschwindigkeit konnte ich noch durchschlüpfen, berührte den Fahrer aber am Lenker, worauf er die Kontrolle über seine Maschine verlor und zu Boden ging. Was dann passierte, sah ich leider nicht. Ich konnte es mir aber sofort denken, als ich die ersten roten Flaggen sah. Nach dem Rennabbruch, kontaktierte ich sofort einen Streckenposten, der mir mitteilte, dass er überhaupt keine blaue Flagge bekommen hatte. Bei der anschließenden Betrachtung des Unfallbikes fiel mir dann auch noch auf, dass der zu überrundende Fahrer auf Slicks unterwegs war. Für mich völlig unverständlich, wie man bei strömenden Regen auf die Idee kommen kann eine derartige Reifenwahl zutreffen. Da der Aprilia-Cup keine Profiveranstaltung ist und man ja auch gern alles reglementieren möchte, lege ich der Leitung folgende Bestimmung aus der Supermoto-Sachsenmeisterschaft ans Herz: "Regenrennen dürfen von den Teilnehmern nur mit Regenreifen absolviert werden". Damit lassen sich Unfälle dieser Art wirkungsvoll verhindern! Nach dem S2 Rennen hatte ich mit Steve dann ausgiebig Zeit das Podium zu feiern und freue mich schon auf den nächsten Cup-Lauf, der für mich ein Heimrennen auf der nahe liegenden Trainingsrecke in Lichtenberg darstellt ((-:

Mit sportlichen Grüßen Tommy Brandt

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